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Umgang mit Zitaten und Redewendungen

von Dr. Hans-Henning Schmidt

Liebe Freunde der Rhetorik,

manche Reden und Vorträge zu wichtigen Themen fand Joe Mittermann fad und langweilig. Warum blieben ihm dagegen andere Reden in lebhafter Erinnerung? Lesen Sie, was es bei dem Einsatz von Zitaten und Redewendungen zu beachten gilt.

Wir alle kennen Speisen, die nach Rezepten zubereitet werden. Welche Zutaten nötig sind, wie sie dosiert und zu mischen sind, ist festgelegt. Wenn eine Rede Genuss bringen soll, dann ist der Weg vergleichbar. Man nehme Zitate, Sprichwörter und Redewendungen, Anekdoten und auch einen Witz, bringe alles zusammen durch Verrühren, schmecke es ab und fertig ist das Ganze. Nun, so einfach ist wiederum auch nicht.

Zitate sind authentisch

Zitate verleihen Ihrer Meinung etwas Authentisches. Wenn das, was Sie sagen wollen, bereits treffend von allgemein bekannten Persönlichkeiten, von Prominenten in Politik, Wirtschaft und Kultur formuliert wurde, dann setzen Sie es ein. Sie verleihen Ihrer Botschaft eine größere Glaubwürdigkeit.

Beispiel:
»Der Worte sind genug gewechselt,
lasst mich auch endlich Taten sehen.«
Goethe, Faust

Sprichwörter überzeugen

Sprichwörter und Redewendungen kommen aus dem reichen Sprachschatz des Alltags, zum Teil sind es abgewandelte Zitate. Sie überzeugen durch die Anschaulichkeit, Bildhaftigkeit und Direktheit im Ausdruck.

Beispiel:
»Morgenstund hat Gold im Mund.«

Anekdoten erzählen

Bei Anekdoten handelt es sich um kurze, pointierte, nicht bewiesene, aber glaubhafte Geschichten über ungewöhnliche Ereignisse und über Personen. Ihr Einsatz fördert vor allem das erzählerische Moment, häufig mit Geist und Humor.

Beispiel:
Mark Twain wurde nach seiner Meinung über das Paradies und die Hölle befragt.
»Ich möchte mich zu diesem Thema nicht äußern«,
sagte er, »ich habe in beiden Institutionen gute Freunde.«

Witze unterhalten

Im Witz sind die Personen und das geschilderte Geschehen anonym und es wird ebenfalls unterhaltsam, aber in der Gegenwartsform erzählt. Sie können damit beim Publikum für Heiterkeit sorgen, Lachen und Lächeln öffnet Ihre Zuhörer.

Jetzt sollten Sie selbst Ihren Lieblingswitz erzählen!

»Ich selbst bin nun des trocknen Tons satt.«

Meine Tipps zum Üben

Tipp 1 - Passende Zitate

Wenn Ihnen persönlich das Zitat oder die Anekdote auch noch so gut gefällt, denken Sie daran:
Alles, was Sie auswählen, muss zum Thema passen.

Tipp 2 - Richtige Dosis

Die richtige Dosis ist entscheidend. Sie wollen als Redner überzeugen und nicht als Stimmungskanone.

Tipp 3 - Kommentierte Zitate

Zitate müssen nicht als Bildungsbeweis herhalten. Nicht nur Texte und Aussprüche von Personen der Vergangenheit liefern das Material, mit Blick in die Gegenwart wird man ebenso fündig.

Die textgenaue Wiedergabe einschließlich der Quellenangabe bleibt für wissenschaftliche Vorträge unverzichtbar. Darüber hinaus ist es möglich, durchaus Veränderungen zuzulassen.
Auf jeden Fall sollte das Zitat kommentiert und seine Auswahl begründet werden.

Tipp 4 - Anschaulichkeit

In Sprichwörtern und Redewendungen werden sachliche und komplizierte Vorgänge und Zusammenhänge anschaulich und plausibel in Worte gefasst. Ihre Verwendung spricht für Lebensnähe und Direktheit.

Übung 1: Fangen Sie einmal an, alle Sprichwörter aufzuschreiben, die Ihnen in den nächsten 10 Minuten einfallen. Los geht´s und Sie werden merken, wie schnell sich Ihre Seite füllt, wenn Sie ein wenig nachdenken.

Übung 2: Erzählen Sie anderen ein Erlebnis und beenden Sie Ihre Geschichte mit einem treffenden Sprichwort, etwa so:
»Am Ende kann gesagt werden:
Man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.«

Tipp 5 - Beispiele abschauen

Kräftige und plastische Redewendungen finden Sie im Sprachgebrauch Martin Luthers. Warum?
Weil er dem Volke aufs Maul schaute.

Tipp 6 - Anekdoten einsetzen

Mit einer Anekdote schaffen Sie Abwechslung. Sie heben damit von Ihrer Redeebene ab und den Zuhörern wird ein neues rhetorisches Element angeboten, das ihre Aufmerksamkeit erneut weckt. Allerdings muss die Anekdote locker, spannungsreich und richtig betont vorgelesen, jedoch besser frei erzählt werden.

Tipp 7 - Witze üben

Bei Witzen sollten Sie bitte nicht vorher lachen und nicht die Pointe durch Versprecher oder Hänger vermasseln. Je überraschender und trockener im Ton, um stärker wird der Witz ankommen. Häufiges Witzeerzählen im Freundes- und Kollegenkreis schult.

Tipp 8 - Einsatz erproben

Zitate, Sprichwörter, Anekdoten, Witze können sein

  • der Einstieg in eine Rede
  • der Schluss der Rede
  • Gliederungsmöglichkeiten

Literatur-Empfehlungen

Wenn Sie sich auf die Suche nach geeigneten Sammlungen begeben, empfehle ich:

Der nächste Beitrag ist aus aktuellem Anlass den Bütten-Reden gewidmet.

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Lust am Erinnern wünscht Ihnen

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Rhetorik-Experte Dr. Hans-Henning Schmidt
»Jederzeit überzeugt das treffende Wort«
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