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Start > Artikel > Rhetorik: Rede-Struktur
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Ein wichtiges Grundgesetz des Sprechens fordert die ausgewogene Balance zwischen einem bewussten Formungs- und Mitteilungswillen. Zur Formung zählt außer der deutlichen Artikulation auch das Anwenden von Rede-Strukturen. |
Rede-Struktur 1
Gestern - Heute - Morgen
(Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft)
Ein Beispiel
Joe Mittermann hatte seinen Gästen am ersten Tag die Stadt gezeigt. Der historische Marktplatz war eine Baustelle und deshalb nicht gerade das Schmuckstück des Rundganges. Unser Freund nutzte dennoch die Gelegenheit zu einer Stegreif-Rede.
Zunächst schildert er in anschaulicher Weise, wie der Marktplatz am Anfang des 20. Jahrhunderts ausgesehen hat und wie sich Stück für Stück sein Aussehen wandelte, z.B. durch neue Straßenbahnschienen oder durch Häuserabriss.
Gegenwärtig wird eine Marktseite durch einen Kaufhausneubau geschlossen. Joe erklärt, wie das Baugeschehen momentan das Leben auf dem Markt prägt und mit welchen Veränderungen die Menschen jetzt auskommen müssen.
Der Blick in die Zukunft lässt jedoch hoffen. Auf Schautafeln ist der Bauentwurf zu sehen. Wenn Ende des Jahres die Arbeiten beendet sein werden, besitzt der Markt als fertiges Ensemble eine noch größere Attraktivität.
Diese Gliederung kann z. B. auch für Firmen-Präsentationen genutzt werden. Das gilt in gleicher Weise für die folgende Variante.
Rede-Struktur 2
Wie alles anfing - Was dann geschah - Was daraus geworden ist
Ein Beispiel
Die zuerst belächelte, ja dann sogar bekämpfte Idee für eine Weiterbildungsreihe zur Service-Kompetenz in der Handwerksinnung ist Wirklichkeit geworden. Nach einem Jahr kann dieser Erfolg zu Recht auf der Innungsversammlung gewürdigt werden.
In einer kurzen Rede geht das Vorstandmitglied auf die Anfänge ein. Was war die Ausgangssituation? Zunehmend beschwerten sich Kunden über unfreundliches Verhalten, Unpünktlichkeit und schwer zu verstehende fachliche Erläuterungen der Kollegen. Das galt natürlich nicht für alle Handwerker, sondern nur für einige. Mit Druck von oben war da allein wenig auszurichten. Die Gruppe musste von den geplanten Seminaren überzeugt werden.
Also was geschah nun? Einzelgespräche wurden geführt, Brainstormings und Teamsitzungen fanden statt, Vorstellungen über Inhalt und Organisation der Weiterbildung wurden entwickelt.
Schließlich entstand ein Ergebnis, dem alle zustimmen konnten. Die Seminare begannen und ihre Akzeptanz wuchs von Mal zu Mal. Sie haben ihren festen Platz im Innungsleben gefunden. Das ist also daraus geworden.
Rede-Struktur 3
Warum spreche ich - Was meine ich -
Was folgt daraus / Was ist zu tun
Ein Beispiel
Die Eltern eines Gymnasiums haben sich versammelt, weil die Schließung und künftige Zusammenlegung von Schulen geplant ist. Eingeladen ist auch ein Vertreter der Schulbehörde.
Am Beginn der Diskussion redet eine Mutter. Sie stellt sich kurz vor und nennt den Grund ihrer Rede. Im Vorhinein hatten sich die Eltern schon einmal getroffen und die Probleme erörtert. Sie ist beauftragt worden das Ergebnis der Meinungsfindung vorzutragen.
Zugleich ist sie persönlich von den künftigen Veränderungen stark betroffen. Deshalb meldet sie sich zu Wort. Worin besteht ihre Meinung? Sie äußert sich zu drei Punkten mit Für und Wider. Auf jeden Punkt geht sie gesondert ein mit
- »erstens«,
- »zweitens«,
- »drittens«.
Am Ende plädiert sie als Schlussfolgerung für die Zusammenlegung mit dem Gymnasium A anstelle mit Gymnasium B. Sie appelliert an den Vertreter der Schulbehörde die bisherigen Pläne erneut gründlich zu prüfen und mit den Eltern im Gespräch zu bleiben. Das Ergebnis soll in 3 Wochen auf einer erneuten Elternversammlung (Datumsangabe) mitgeteilt werden.
Noch ein Tipp
Sie haben sicher gemerkt, Rede-Struktur 3 eignet sich besonders für Meinungsreden.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Ausprobieren der genannten Strukturen. Denken Sie bei jeder Gliederung daran, dass die Rede mit einer Anrede beginnt und mit einem Schlusssatz endet, und wenn es ein einfaches »Danke« ist.
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Lust am Erinnern wünscht Ihnen
IhrRhetorik-Experte Dr. Hans-Henning Schmidt
»Jederzeit überzeugt das treffende Wort«
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