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Ohne Lampenfieber geht es nicht - oder?

von Dr. Hans-Henning Schmidt

Liebe Freunde der Rhetorik,

in unserem heutigen Beispiel erleben Sie, wie jemand - ich nenne ihn einfach Joe Mittermann - in die Lampenfieber-Falle tappt. Und Sie erfahren, wie er sie in Zukunft umgehen kann.

Joe Mittermann wusste, dass er in 10 Tagen eine Rede halten sollte.Wie immer war seine Zeit knapp bemessen und er dachte:

»Wenn ich mich zwei Tage davor mit der Rede beschäftige, genügt das völlig. Ich kann ja mit Kunden im Gespräch umgehen. Falls ich es mit der Vorbereitung doch nicht schaffe, dann fällt mir spätestens etwas ein, wenn ich das Publikum sehe. Auf Notizen kann ich auch noch verzichten. Ich habe ja Leitlinien, Konzept und Fakten zum Thema in einer Broschüre. Die nehme ich zur Hand. Die anderen wissen sowieso nicht genau Bescheid. So selten, wie ich eine Rede halten muss, erledige ich das mit links.«

Vor seinem Auftritt setzte wider Erwarten starkes Lampenfieber ein.

»Hauptsache, ich blamiere mich nicht. Ein Viertel Wein wird helfen. Das beruhigt die Nerven, bringt in Stimmung und lockert die Zunge. Oder doch lieber Baldrian? Auf jeden Fall warte ich, bis ich als Redner angekündigt werde, erst dann trete ich vor das Publikum. Wenn ich rede, schaue ich am besten über die Köpfe der Leute hinweg. Meine Hände zittern hoffentlich nicht. Sonst sehen alle, wie aufgeregt ich bin. Und ich werde schnell reden. Dann habe ich es gleich hinter mich gebracht und bin erlöst. Also, ans Rednerpult, tief Luft geholt, Augen zu und durch.«

Meine Empfehlung

An den Anfang stelle ich 3 wichtige Tipps:

  1. Denken Sie daran, SIe haben Wichtiges zu sagen.
  2. Entwickeln Sie Ihre Strategie in Sachen Lampenfieber.
    Erinnern Sie sich an positiv bewältigte Situationen.
  3. Sagen Sie JA zum Lampenfieber.

Zu den Details

Der Unterschied von Schreibe und Rede ist Ihnen in Erinnerung? Da gibt es nämlich eine klare Trennung. Genauso verhält es sich mit Gespräch und Rede. Sobald ich um meine Aufgabe eine Rede zu halten weiß, müssen sich meine Gedanken unaufhörlich bewusst und unbewusst damit beschäftigen - im Auto, beim Einkauf, vor dem Schlafengehen.

Wenn ich die Vorbereitung vernachlässige:

  • Redeabsicht,
  • Materialsuche und -aufbereitung,
  • Stichwortzettel,
  • Redeprobe(n) und vor allem
  • eine treffende Einschätzung des Publikums,

habe ich mehr als die halbe Miete in den Sand gesetzt.

Schließlich:
Je weniger rhetorische Routine ich habe,
um so mehr werde ich in die aktuelle Aufgabe investieren.

Tipp:
Warten Sie nicht bis zum Auftritt, sondern kommen Sie bereits vorher mit Ihrem Publikum in Kontakt.

Wenn Lampenfieber da ist, sehen Sie es als ein gutes Zeichen an. Nehmen Sie es für Ihr Engagement. Sie wollen und werden erfolgreich sein. Außerdem stehen Sie mit Ihrer Nervosität nicht allein da. Darüber gibt es genügend Bekenntnisse von Alfred Biolek bis Michael Schanze.

Bevor Sie zu reden beginnen, nehmen Sie eine Sprechhaltung ein, schauen Sie das Publikum an, atmen Sie aus - und erst dann fangen Sie an etwas zu sagen. Der erste Blickkontakt sollte Ihnen vertrauten und wohlgesonnenen Personen gelten, darauf beziehen Sie alle ein. Schnell merken Sie das Interesse, das Ihnen entgegengebracht wird und Sie anspornt. Rennen Sie mit Ihrem Sprechtempo den Zuhörern nicht davon, damit verschenken Sie Wirkung.

Hinweis:
Das Viertel Wein ist vielleicht besser für die Siegesfeier danach geeignet, oder?

Gewöhnen Sie sich daran es zu genießen, dass viele Augen und Ohren auf Sie gerichtet sind. Natürlich spüren Sie körperlich Ihre Aufgeregtheit. Vergessen Sie nicht: Das Publikum nimmt Ihren Zustand häufig nur abgeschwächt oder gar nicht wahr.

Lampenfieber kann auch durch Atmung, Stimmführung und Artikulation beherrscht werden. Dazu und zum Training der Sprechweise für erfolgreiche Rhetorik mehr in der nächsten Ausgabe.

Was gibt es bei der Atmung - Stimmführung - Artikulation zu beachten?

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Lust am Erinnern wünscht Ihnen

Ihr
Rhetorik-Experte Dr. Hans-Henning Schmidt
»Jederzeit überzeugt das treffende Wort«
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