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Start > Artikel > Mobbing: Personalabbau durch Mobbing?

Personalabbau durch Mobbing?

von Jürgen W. Goldfuss

Über das Thema Mobbing wird immer mehr in der Öffentlichkeit diskutiert. Jürgen W. Goldfuss, Autor des im letzten Monat im Lexika-Verlag erschienen Buches »Schluss mit Mobbing!«, schildert für uns in der neuen Rubrik die Hintergründe, ihre Auswirkungen sowie praktische Gegenmaßnahmen für Mitarbeiter und Führungskräfte. Und er widmet sich der Frage:
Wie erkennen Sie Mobbing und was können Sie dagegen unternehmen?

»Personalabbau durch Mobbing« so titelte die Ostthüringer Zeitung am 16.10.2002 einen Artikel, der sich mit dem Thema Mobbing auseinander setzte. Die Frage lautete:

»Verschärft die angespannte wirtschaftliche Lage das Mobbing-Problem in deutschen Unternehmen?«

Über das Thema Mobbing wird in der letzten Zeit immer öfter in der Öffentlichkeit diskutiert. Handelt es sich hier um ein künstlich aufgeblähtes Pseudothema oder um ein echtes Thema von wirtschaftlicher Bedeutung? Gerade in finanziell schwierigen Zeiten stellen sich Firmen immer häufiger die Frage, ob Sie den vorhandenen Personalbestand auch in Zukunft noch finanzieren bzw. halten können.

Tipp:
Lesen Sie dazu auch die Buchvorstellung
Jürgen W. Goldfuss: Schluss mit Mobbing!

Bei Überlegungen zur Kostensenkung spielen manche Unternehmen mit dem Gedanken, sich von Mitarbeitern zu trennen. Unter Umgehung der einen oder anderen Schutzvorschrift wird versucht, den Mitarbeiter durch Druck zu einer Eigenkündigung zu bringen. Um den Mitarbeiter zu einer »freiwilligen« Trennung zu bewegen, werden hierbei alle möglichen gruppendynamischen Prozesse eingesetzt.

Eine solche kurzfristig gedachte Politik ist eher kontraproduktiv. Außerdem erkennt die Justiz mittlerweile solche »Personalmaßnahmen« häufiger als in der Vergangenheit und straft sie ab.

Schauen wir uns kurz die einzelnen Aspekte einer solchen »Firmenpolitik« an.
Als vermeintlicher Vorteil wird die kurzfristige Reduzierung des Personalbudget gesehen.

Dem entgegen stehen allerdings folgende Nachteile:

Nachteil 1

Das Risiko einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit Anwalts- und Gerichtskosten

Nachteil 2

Eine wahrscheinliche Abfindungszahlung
Bei beiden Nachteilen lässt sich der voraussichtliche Schaden auf Grund von Erfahrungswerten anderer Unternehmen noch relativ gut abschätzen (wobei man ja eigentlich ursprünglich von Null Mehrkosten ausging).

Nachteil 3

Der Imageverlust des Unternehmens in der Öffentlichkeit
Dieser Fakt wird in der Regel von den Firmen sträflich unterschätzt. Taucht ein Unternehmen in wirtschaftlich angespannten Zeiten mit negativen Schlagzeilen in der Presse auf, dann wird es ernst. So verscherzt sich ein Unternehmen beim Kunden in einem Markt mit austauschbaren und vergleichbaren Produkten sehr schnell die notwendigen Sympathiepunkte. Die Hoffnung, nicht im Licht der Öffentlichkeit aufzutauchen, erweist sich als trügerisch. Eine negative Pressemeldung verkauft sich viel besser als ein positives Ereignis - und Journalisten lassen sich ungern eine Schlagzeile entgehen.

Nachteil 4

Die demütigenden Auswirkungen auf die verbleibenden Mitarbeiter
Diesen Nachteil wollen viele Firmeninhaber nicht wahrhaben. Mit Argumenten wie »Die sollen froh sein, dass sie hier noch arbeiten dürfen« wird über die persönlichen Befindlichkeiten der verbleibenden Mitarbeiter mit der Sensibilität einer Dampfwalze hinweggegangen. Inwieweit hierdurch die letzten Reste von Motivation endgültig abgetötet werden, spielt für solche »Beziehungskrüppel« auf der Chefetage keine Rolle.

Nachteil 5

Die gravierende Verschlechterung des Betriebsklima
Spätestens hier rächt sich die mangelnde Sensibilität. Höhere Krankenstände, sinkende Risikobereitschaft des Einzelnen, Dienst nach Vorschrift, mangelnde Kommunikation sind die Folge. Höhere Fehlerquoten sorgen darauf hin für ein sich selbst blockierendes System.

Nachteil 6

Die sinkenden Überlebenschancen des Unternehmens
Als Folge der aufgeführten Schritte ist das Resultat hier messbar: im Vergleich zu Firmen mit motivierten, mitdenkenden und risikobereiten Mitarbeitern bleibt das Unternehmen nicht nur stehen. Es fällt sogar zurück. Eigentlich ist es auch gar kein Unternehmen mehr, denn es wird nichts unternommen - in Richtung Zukunft. »Pennywise and poundfoolish« sagen die Engländer. Man versucht zu sparen, koste es, was es wolle.

Mobbing zahlt sich nicht nur nicht aus, sondern Mobbing rächt sich auch - an den Verursachern.

Mobbing - ein Führungsproblem

Mobbing wird aber nicht nur von Führungskräften ausgeübt. Wie man sich in Unternehmen und Organisationen vor Mobbing schützen kann und welche Werkzeuge zur Verfügung stehen, darüber erfahren Sie mehr in den nächsten Folgen.

  • Woran erkenne ich meine Rolle?
  • Was kann ich persönlich gegen Mobbing unternehmen?

Die Rollen im Mobbing-Prozess:
Bin ich Opfer, Täter oder Zuschauer?


Autoren-Kontakt

Was haben Sie für Erfahrungen mit dem Thema Mobbing gemacht? Ich freue mich auf Ihre Post.

Jürgen W. Goldfuss
MTD Marketing - Training - Dokumentation
E-Mail: juergen-goldfuss@online-netzwerk-lernen.de


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