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Start > Artikel > Mobbing: Das Mobbing-Tagebuch

Das Mobbing-Tagebuch oder Fakten, Fakten, Fakten

von Jürgen W. Goldfuss

Warum ein Mobbing-Tagebuch?

Sie ahnen, dass sich eine Mobbing-Situation anbahnt? Ihre Verdachtsmomente verstärken sich? Dann ist es wichtig, dass Sie von Anfang an mit der Beweisführung beginnen. Um Mobbing vor Gericht beweisen zu können, brauchen Sie nämlich schlagkräftige und unwiderlegbare Beweise. Deshalb: Führen Sie ein Mobbing-Tagebuch.

Was muss festgehalten werden?

In das Mobbing-Tagebuch gehört alles, was Ihnen im Zusammenhang mit dem Mobbingversuch auffällt. Einzelne Vorfälle, kurz alles, was bei einem eventuellen Prozess vor Gericht der Beweisführung dient:

  • Wer hat etwas getan oder gesagt?
  • Wann, Wo?
  • Wer war Zeuge?

Je mehr Informationen in glaubwürdiger Form schriftlich vorliegen um so größer sind Ihre Chancen, einen Mobbing-Fall vor Gericht beweisen zu können.

Wie sieht ein Mobbing-Tagebuch aus?

Hier gibt es keine festen Regeln oder »Formblätter«.

  • Eine nummerierte Loseblattsammlung oder
  • ein Schulheft,

beide erfüllen ihren Zweck genau so gut. Werden Ihre Eindrücke und Erfahrungen allerdings in einem gebundenen Format festgehalten, dann reduziert sich der Verdacht, dass nachträglich Änderungen vorgenommen wurden.

Die Daten für Ihr Mobbing-Tagebuch können natürlich auch zuerst auf einem Diktiergerät oder einem Schmierzettel fest gehalten und abends in Ruhe dann zu Hause in Ihr Tagebuch übertragen werden.

Was muss ich beachten?

Wichtig ist, dass keine Daten verloren gehen in Ihrer Beweisführungskette:

  • Notieren Sie auch die Punkte,
    die Ihnen im Moment nicht so bedeutend erscheinen.
  • Halten Sie ebenso fest, wenn man Sie zu Hause anrief
    und belästigte.
  • Notieren Sie auch die Tage, an denen nichts passierte. Protokollieren Sie vor allem Ihr persönliches Befinden
    nach einer Attacke sowie Ihren Gesundheitszustand.
  • Halten Sie auch - im Nachhinein - fest, wie Sie anders hätten reagieren können.

Kennzeichnen Sie auch die Zeiträume, an denen Sie nicht im Unternehmen anwesend waren, zum Beispiel während des Urlaubs. Zur Untermauerung Ihres Mobbing-Tagebuchs sollten Sie auch Anweisungen, die Sie z.B. per Mail erhielten, in gedruckter Form sammeln und aufbewahren. Auch damit stellen Sie Beweise sicher.

Aufbereiten können Sie Ihre Daten in Form einer Tabelle wie im folgenden Beispiel.

Beispiel für ein Mobbing-Tagebuch

Ein Mobbing-Tagebuch können Sie zum Beispiel wie folgende Tabelle gliedern:

Art der
Handlung
Durch
wen?
Meine Empfindung Anmerkung
08.03.02, 08.30 Uhr
Trotz pünktlichem Eintreffen am Arbeitsplatz fällt die Bemerkung: «Na, auch schon aus-geschlafen?« Chef
Herr X
Warum sagt er das? Das geht heute schon gut los. Vielleicht ist er sauer, weil ich ihn gestern auf einen Fehler aufmerksam gemacht habe.
12.03.02, 12.15 Uhr
Ich wollte gerade in die Kantine gehen: »Können Sie das Fax noch weg-schicken oder fallen Sie tot um, wenn Sie ein paar Minuten später essen gehen?« Chef
Herr X
Ich könnte an die Decke springen. Vor allem hatte er so einen zynischen Ton drauf. Bei anderen sagt er nie was, wenn die pünktlich zum Essen gehen.
13.03.02
Heute war mein Chef auf Dienstreise, irgendwie befreiend. Ich habe heute Nacht ruhiger geschlafen.
14.03.02, 10.20 Uhr
Anruf: »Herr X erwartet bis um 15 Uhr den Schadensbericht Meier. Er sagt, er hat Ihnen das bereits letzte Woche mitgeteilt?«. Sekretärin
von X,
Frau Z

Die hatte auch so einen merkwürdigen Unterton in der Stimme. Ich habe bis heute noch nichts von dem Bericht gewusst. Das fiel mir aber erst ein, als Frau Z aufgelegt hatte.
14.03.02, 14.30 Uhr
Anruf: »Herr X sagte mir gerade, das mit dem Bericht hat auch noch Zeit bis morgen, dann können Sie alles in Ruhe prüfen.« Sekretärin
von X,
Frau Z

Das klang ja ganz freundlich. Ich weiß wirklich nicht woran ich bin.
14.03.02, 10.20 Uhr
In seinem Büro: »Eigentlich hatte ich letzte Woche den Bericht schon erwartet, aber Sie scheinen im Moment etwas überlastet zu sein. Das kann jedem mal passieren«. Chef
Herr X
Er hatte so ein gütiges Lächeln, so väterlich. Ich traue ihm nicht mehr so richtig über den Weg. In mir warnt mich etwas, ich weiß nicht was ich machen soll.

Warnsignale wahrnehmen

Achten Sie auch einmal auf Ihre Wortwahl im Tagebuch. Ohne dass es Ihnen bewusst ist schildern Sie nämlich, was in Ihnen vor sich geht. Ihre Krankheitssymptome werden von Ihnen bereits recht präzise beschrieben durch Sätze wie:

  • Das ist mir auf den Magen geschlagen.
  • Da bleibt mir glatt die Luft weg.
  • Darüber zerbreche ich mir den Kopf.
  • Daran habe ich zu knabbern.
  • Das lässt mir keine Ruhe.
  • Das raubt mir den Schlaf.
  • Ich kann es nicht mehr hören.
  • Ich muss hier alles schlucken.
  • Ich muss mich zusammen reißen.

Das heißt, Ihr Körper sendet Ihnen über die Sprache vielfältige Warnsignale, die Sie durch das Führen eines Mobbing-Tagebuchs bewusst und rechtzeitig wahrnehmen.

Beantworten wir im folgenden einige Fragen aus dem Leserkreis zum Umgang mit Mobbing-Situationen.


Autoren-Kontakt

Was haben Sie für Erfahrungen mit dem Thema Mobbing gemacht? Ich freue mich auf Ihre Post.

Jürgen W. Goldfuss
MTD Marketing - Training - Dokumentation
E-Mail: juergen-goldfuss@online-netzwerk-lernen.de


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