Eine Geschichte von
Ingrid Goroll
Es ist Mittag. Der geschmückte Weihnachtsbaum strahlt im Kerzenlicht. Müde und geschafft denkt Mutti Ingrid an ein kleines Schläfchen. Mit den Vorbereitungen für Weihnachten ist sie gerade fertig geworden. Schon klingelt es stürmisch an der Tür. Tante Anna und Onkel Hubert sind wie jedes Jahr eine halbe Stunde zu früh gekommen. Mutti Ingrid ist noch nicht im Weihnachts-Outfit. Ihre Haare hängen wirr um Ihren Kopf. Onkel Hubert ist sauer, dass ihm Mutti so ungepflegt gegenüber tritt. Beleidigt begrüßt er Sie nicht mit der sonst üblichen Umarmung sondern mit einer bissigen Bemerkung. Nun ist auch Mutti Ingrid sauer. Alle schweigen sich bei Tisch an. So richtig will keine Festtagsstimmung aufkommen. Bis zum Abend bleibt noch einiges zu tun.
Später wird es draußen langsam dunkel. Irgendwann ist Bescherung. Die Eltern überlegen, ob Sie nun wirklich Onkel Hubert den Kalender »Sky-Line von New York« schenken. Schließlich war er teuer. Und so wie sich Onkel Hubert gerade verhält, hat er diesen Bildkalender nicht verdient. Außerdem mag er Amerika eigentlich gar nicht. Den Eltern hat der Kalender aber gut gefallen. Sie waren nämlich dieses Jahr im Sommer in New York.
Tante Anna bekommt wie jedes Jahr ihr obligatorisches Parfüm. Sie versucht dann immer sich zu beherrschen und sagt nichts. Dieses Geschenk betrachtet Sie als Hinweis. Die Familie ist meint wohl, dass Sie das Parfüm braucht um gut zu riechen. Tante Anna empfindet das als persönliche Beleidigung.
Der jüngste Sproß der Familie, Christian, ist gerade in der Pubertät. Er ist nur cool und findet das Beschenken als absolut überflüssig. Christian hat schon im Vorfeld allen klar gemacht, dass Sie von ihm nichts zu erwarten haben. Im Gegenzug nimmt er aber gern alle Geldgeschenke für eine neue Gitarre entgegen. Ihm fällt meist sowieso nicht ein, was er jedem schenken soll. Dafür möchte er heute alle mit einer neuen Komposition seiner gerade gegründeten Band verwöhnen. Seine Eltern wollten es zunächst mit Rücksicht auf Onkel Hubert verhindern. Sie glauben zu wissen, dass er bei moderner Musik ganz empfindlich ist. Außerdem gab es noch nie Musik zu Weihnachten.
- Wie wird Tante Anna reagieren?
- Wie wird es ausgehen?
So breitet sich ein flaues Gefühl bei unserer Weihnachtsfamilie aus.
Dann ist es endlich soweit. Ganz überrascht sind die Eltern, als Christian seinen Song vorstellt. Onkel Hubert findet es ganz toll und summt sogar mit. Tante Anna wippt dabei mit dem Fuss und ist ganz stolz auf Christian. Die Eltern können es nicht fassen, es kommt eine wirklich gute Weihnachtsstimmung auf. Dabei wurde noch nicht mal beschenkt.
Einstimmig erklären Tante Anna und Onkel Hubert, so ein schönes Geschenk wie von Christian hatten Sie noch nie. Als der begnadete Musiker auch noch eine selbstgebrannte CD mit dem Song herzaubert, kennt die Begeisterung keine Grenzen. Woher hätten die Eltern wissen können, was Onkel und Tante mögen? Ganz einfach, mit einem Geschenktyp-Test wäre es total einfach gewesen.
Was lernt nun die Familie daraus?
- Geschenke müssen nicht immer materiell sein
- Sie sollten unsere SINNe ansprechen
- Geschenke können auch etwas Selbstgemachtes sein
Schenken Sie mit SINNen.